Bisher wird das Bedingungslose Grundeinkommen fast immer staatssystemisch gedacht. Das setzt langwierige schwerfällige Verfahrenswege, die fortwährende Auseinandersetzung mit Gegnern und die Möglichkeit des Scheiterns voraus. Und selbst, wenn es in dieser Form schon bald gelingen sollte, bleibt die Frage offen, ob die Idee an diesen Weg oder ihrem Wesen nach nur an sich selbst gebunden und deshalb in einer anderen - ursprünglicheren - Form authentischer ist.

 

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns bewusst machen, dass Wirtschaft nicht durch Geld (oder Staaten), sondern umgekehrt, „realer“ Geldwert durch reale Wirtschaft (Initiative) entsteht. Als Staaten und das Geld entstanden, war Wirtschaft längst schon da, weil unsere irdische Existenz an sie gebunden ist. Das heißt, ursprüngliche Wirtschaft beginnt mit dem Bedarf und der Initiative, ihn zu decken. Die Möglichkeit, als Selbst- und Fremdversorger tätig werden zu können, war (wie heute noch bei manchen Ureinwohnern) anfänglich unmittelbar gegeben: Die Erde gab, was der Mensch durch Initiative von ihr nahm. Sie und wir selbst waren (und sind) Grundeinkommen und Grundrecht zugleich - weshalb sich auch die Frage nach der Finan-zierbarkeit erledigt hat. Aber es ist wissenswert, woher sie kommt.

 

Durch die Einführung von Zahlungsmitteln wurde Wirtschaft mittelbar. Und je nachdem, wo und wie das Mittel (dienend oder herrschend) wirkt, kann es das Wirtschaftsleben (und die Menschheit) ungestört gedeihen lassen oder in den Abgrund steuern. Wenn es dient, bildet es gesunde Wirtschaft (Werden und Vergehen) selbstlos ab, wenn es herrscht, bringt es die Wirtschaft (und die Menschheit) in einen wesensfremden Rich- tungszwang.

 

Dienendes Geld wird uneigennützig ausgegossen, damit sich gegenseitige Bewertung von Gütern und Dienst-leistungen (Preisbildung) vollziehen und es zwischen allen Beteiligten (Produzenten, Händlern, Konsumenten) ungehindert fließen kann. Sein temporärer Wert (Kaufkraft) wird ihm von den realen Werten her erst zuge- schrieben. Es dient der Realwirtschaft als Kreislaufmittel (Blut), ist aber selbst kein Wirtschaftsgut.

 

Erst wenn es künstlich dazu gemacht und so zum Selbstzweck wird, verliert es seine dienende Funktion und beginnt die Wirtschaft vor sich herzutreiben. Das geschieht dann, wenn es als Schuldgeld (und spekulativ) in die Realwirtschaft eindringen, durch Zins und Zinseszins schmarotzend von ihr zehren, krebsartig (exponen-ziell) wachsen und im Unterschied zu vergänglichen Wirtschaftsgütern (zu Unrecht) werthaltig bleiben kann. Dann zieht es - wie eine Geschwulst das ganze Körperleben - die Realwirtschaft in eine Richtung, die sie aus sich heraus nie nehmen würde: in den monetären Wachstumszwang. Das heißt, Wirtschaft und Arbeit folgen dem Geldstrom und nicht mehr dem tatsächlichen Bedarf. Die Folgen sind einerseits (heute auch technisch mitbedingter) zerstörerischer Überfluss, Machtkonzentration in wenigen Händen, strukturelle Gewalt und andererseits zerstörerischer Mangel. (In diesem Kontext gehen Finanzierungsfragen oft von einem Selbstwert des Geldes aus, den es gar nicht hat. Geld ist lediglich Gestaltungsmittel, das den Fluss ermöglicht oder staut.)

 

Diese Konstellation bestimmt das Leben so selbstverständlich, dass viele sie für alternativlos bzw. unent-rinnbar halten, obwohl es um der Menschheit willen längst einer Alternative bedarf, denn wir könnten uns klar darüber sein, dass jeder Mensch, der heute mitten im Überfluss an Hunger stirbt, durch das bestehende System „ermordet“ wird (Jean Ziegler).

 

Die weltweit anwachsende Grundeinkommensbewegung ist zwar ein erfreuliches Zeichen des Bewusstseins-wandels, denkt aber ihre Konzepte bisher größtenteils auf der Basis herrschender Gegebenheiten. Das mag hier und da bald lindernd, ein guter erster und z. Z. vielleicht der einzig mögliche realistische Schritt in die richtige Richtung sein; eine „unverfälschte“ Ursituation ist es nicht. Dass eine Situation möglich und funk- tionsfähig ist, in der es keiner mittelbaren Kontrollinstanzen (Banken, Staaten), sondern nur einer bereitwil- ligen Gruppe und des dienenden Geldes bedarf, hat 1930/32 das „Wunder von Wörgl“ gezeigt. Dort wurde der Anstoß dazu allerdings „von oben“ (durch den Bürgermeister) für einkommensbedürftige Einwohner gegeben, deren Bereitwilligkeit jedoch mehr der äußeren Not als innerer Einsicht gehorchte.

 

Heute bietet sich die Möglichkeit, eine sozialwirtschaftliche Ursituation aus der Freiheit heraus und das die- nende Tauschmittel als Grundeinkommen selber zu schaffen, sofern jeder (!) Teilnehmer in irgendeiner Form auch selbst die Marktinitiative (Angebot, Nachfrage) ergreift. Dabei geht es nicht etwa darum, aus der bishe- rigen Existenzgrundlage ins Bodenlose auszusteigen, sondern parallel dazu ernsthaft verspielt einen neuen Erfahrungsraum kreieren zu helfen, der eine menschengemäße Zukunft verheißt, in die man - wenn es glückt - nach und nach hinüber wachsen kann. „Freebank for basic income“, der wandernde Taler und ein integriertes Marktportal bieten die Voraussetzungen dafür. Alles was wir brauchen, damit das Forschungsprojekt eine Chance hat und wir damit (vielleicht) eines Tages zeigen können, dass ein soziales (bank- und staatsfreies) Wirtschaftsleben möglich und seinem eigenen Wesen viel näher ist, sind gemeinsame Taler-Akzeptanz und Beteiligung am Marktgeschehen. Ohne diese Beteiligung bleibt das selbst gemachte Grundeinkommen tot. Um es zu beleben, genügt es zunächst schon, etwas für Taler anzubieten, was noch brauchbar und sonst wegge- worfen worden wäre, und auch rege Güter und Dienstleistungen nachzufragen. Vielleicht finden sich ja unter den BGE-Freunden genug bewusstseinswache Geister, die der Idee zum Durchbruch verhelfen wollen. Dort, wo sie Hobby und Herzenssache wird, könnte sie gelingen!

 

Einfach den folgenden Link (s.u.) anklicken, ein Talerkonto eröffnen und aktiv am Markt teilnehmen. (WB)